Joe Colombo: der italienische Futurist, der für eine Welt entwarf, die erst später kam
Joe Colombo entwarf in den 1960er Jahren in seinem Mailänder Studio für das Jahr 2000. Er starb mit 41 Jahren und hinterließ einen Katalog modularer Science-Fiction-Möbel aus Kunststoff, die zur visuellen Referenz für alles wurden, was wir heute als ‚Space Age‘ bezeichnen.
Die Stücke von Joe Colombo haben eine kleine, aber treue Sammlergemeinde auf Whoppah. Unsere Kuratoren sehen Colombo-Angebote am häufigsten von italienischen und französischen Verkäufern; die Stücke werden in der Regel an Käufer in denselben Märkten verkauft.
Eine kurze, aber eindrucksvolle Karriere
Joe Colombo (1930 bis 1971) starb an seinem 41. Geburtstag an einem Herzinfarkt. In den 16 Jahren, in denen er professionell als Designer tätig war (er gründete sein unabhängiges Studio 1962), schuf er einen der konzentriertesten und einflussreichsten Kataloge des italienischen Designs der Jahrhundertmitte. Alles, was man sich unter „Space Age Möbeln“ vorstellt (Weiß-in-Weiß, Kunststoff, modular, futuristisch), geht maßgeblich auf ihn zurück.
Ich finde Colombo besonders ergreifend, weil die Zukunft, für die er entwarf, erst nach seinem Tod eintrat und anders aussah, als er sie sich vorgestellt hatte. Er dachte, wir würden in kompakten Einheiten mit multifunktionalen, integrierten Möbeln leben. Mit den kompakten Einheiten (städtische Wohnungen) hatte er Recht, aber mit der Integration lag er falsch (wir haben meist immer noch separate Stühle und Tische). Seine Möbel überleben, weil sie auch als Einzelstücke funktionieren, obwohl das nicht der ursprüngliche Auftrag war.
Die Stücke
Der Stuhl 4860 (1965, für Kartell), der erste industriell gefertigte Stuhl aus einem einzigen Stück geformtem ABS-Kunststoff, ist das technikgeschichtliche Stück. Er ging der Produktion des Vitra Panton Stuhls um zwei Jahre voraus. Vintage Kartell 4860er aus den 1960er Jahren in gesättigten Farben werden auf Whoppah für 350 € bis 800 € verkauft.
Der Stuhl Universale 4867 (1968, für Kartell), der schlichtere, verfeinerte Nachfolger, kostet gebraucht zwischen 250 € und 650 €. Das Kartell-Archiv führt ihn als den weltweit ersten stapelbaren Stuhl aus thermoplastischem Spritzguss.
Der Boby Trolley (1970, für Bieffeplast, später B-Line), die rollbare Aufbewahrungseinheit mit drehbaren Fächern und Schubladen, ist der ewige Favorit. Vintage-Exemplare aus den 1970er Jahren liegen auf Whoppah bei 350 € bis 900 €; der aktuelle Verkaufspreis der B-Line Produktion liegt bei etwa 450 €. Ein echter Boby aus den 1970er Jahren in Originalfarben ist das bessere Objekt.
Der Tube Stuhl (1969, für Flexform), vier Schaumstoffzylinder, die zu einem Stuhl zusammengesteckt werden, ist das konzeptionell verspielteste Stück. 1.500 € bis 4.000 € in gutem Vintage-Zustand.
Die Spider Lampe (1965, für Oluce) ist die ikonische Tischleuchte mit Gelenkarm und konischem Reflektor. 700 € bis 1.800 € gebraucht.
Warum sein Markt geduldig ist
Die Preise für Colombo sind im letzten Jahrzehnt eher stabil geblieben als raketenhaft gestiegen. Das liegt zum Teil daran, dass die Space-Age-Ästhetik immer wieder in und aus der Mode gekommen ist. Zum Teil liegt es auch daran, dass die Kunststoffmaterialien (insbesondere die gesättigten Farben aus den 1960er und 70er Jahren) mit der Zeit vergilben und Haarrisse bekommen, sodass die Zustandsbewertung wichtiger ist als bei Holzstücken.
Diese Stabilität ist tatsächlich ein Vorteil für den Käufer. Sie jagen hier keinem Markt hinterher. Sie wählen ein Stück, mit dem Sie leben möchten, zu einem Preis, der nicht spekulativ in die Höhe getrieben wurde.
Wie man die Echtheit prüft
Von Kartell produzierte Colombo-Stücke tragen ein eingegossenes Kartell-Logo irgendwo auf der Unter- oder Rückseite der Sitzfläche. Bobys von Bieffeplast/B-Line haben ein Papieretikett am Sockel. Oluce-Lampen haben das Oluce-Zeichen am Sockel. Eine Vintage-Produktion aus den 1960er und 70er Jahren sollte eine gewisse Patina des Kunststoffs aufweisen (leichte Farbveränderung, Mikrokratzer); makellose, „neu aussehende“ Stücke sind oft moderne Neuauflagen oder Kopien.




